Mittwoch, 26. Oktober 2011

Wege aus der Exzellenzfalle - Ideen für eine aktive Hochschulpolitik

In der Berliner stiftung neue verantwortung diskutieren am 27. Oktober 2011 die ehemalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn (SPD), Sebastian Litta (stiftung neue verantwortung, Leiter des Projektteams ExzellenzCampus), Dr. Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und Prof. Dr. Hans Weiler, vormals Stanford University, über die Auswirkungen der Exzellenzinitiative auf die Zusammensetzung der Studierendenschaft an deutschen Universitäten. Die zentralen Ergebnisse des intersektoral und interdisziplinär zusammengesetzten Projektteams Exzellenzcampus, die als Grundlage der Diskussion dienen, sind als Policy Brief der stiftung neue verantwortung erschienen:


Sebastian Döring et al. (Oktober 2011): Wege aus der Exzellenzfalle - Ideen für eine aktive Hochschulpolitik, Berlin: stiftung neue verantwortung (PDF). 

Montag, 10. Oktober 2011

Gebühren schrecken nicht ab - der Umgang einiger Politiker mit Statistiken schon

Von Sebastian Litta

Die WZB-Studie von Tina Baier und Marcel Helbig zu den ausbleibenden Abschreckungs-Effekten von Studiengebühren ist der bisher wichtigste Beitrag zur Diskussion um Studiengebühren. Sie leistet zwei bedeutende Dinge: Sie zeigt direkt, dass es keine signifikanten Abschreckungseffekte von Studiengebühren gab. Indirekt zeigt sie aber auch, dass die bisherigen Methoden zur Messung der Gebühreneffekte mangelhaft waren und dass Politiker sich allzu bereit auf die voreilig und scheinbar wissenschaftlich fundierten Aussagen anderer Studien verlassen haben, ohne deren Mängel zu verstehen oder kritisch zu hinterfragen.

Leider kommt die Studie aber fast schon zu spät, da nahezu alle Bundesländer die Gebühren schon wieder abgeschafft haben. Erste Reaktionen aus Nordrhein-Westfalen zeigen auch, dass man sich dort bei der aktuellen Planung zur Gebührenabschaffung nicht von Studien beeinflussen lassen will. Schon vor einigen Jahren sagte die Dortmunder Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestags Ulla Burchardt, dass ihr Studien egal seien, ihr Bauchgefühl sage ihr, dass Studiengebühren abschrecken. Bauchgefühle können täuschen, das bestätigt sich jetzt wieder einmal.

Allerdings gab es auch schon länger Wissenschaftspolitiker, die damit zwar nicht zitiert werden wollen, aber zugaben, dass egal ob Abschreckung oder nicht, ihre Anti-Studiengebührenhaltung einfach ein sehr erfolgreiches Wahlkampfwerkzeug sei. Der Einfluss der Studie auf die politische Diskussion wird daher vermutlich recht gering bleiben.

Die Studie enthüllt auch das teilweise Versagen bisheriger Forschung zu den Effekten von Studiengebühren. In den USA gibt es seit längerem den Trend, dass sich methodisch gut ausgebildte Ökonomen mit bildungswissenschaftlichen Fragen beschäftigen, weil, so der etwas arrogant klingende Wirtschaftswissenschaftler Joshua Angrist, "die Fragen rund um unser Bildungssystem zu wichtig sind, um sie allein den Bildungswissenschaftlern zu überlassen". Das öffentlich finanzierte HIS in Hannover, das momentan stark in der Kritik steht, weil es angeblich die deutschlandweite Bewerbungsplattform hochschulstart trotz 15 Millionen Euro Budget nicht rechtzeitig hat aufbauen können, hat Studien zu den Effekten von Studiengebühren veröffentlich. Diese Studien sind von Politikern, Studentenvertretern und anderen als Argumentationshilfe genutzt worden. Gleichwohl hätten die HIS-Forscher wissen müssen, dass ihre Methodik keinerlei kausalen Zusammenhänge erkennen ließ.

Baiers und Helbigs Studie nutzt deutlich fortgeschrittene Messverfahren, perfekt sind sie jedoch auch nicht, wie fast immer in den Sozialwissenschaften. Sind echte Menschen involviert, kann es nie die Messgenauigkeit der Naturwissenschaften geben. So können die Autoren nicht ausschließen, dass es aufgrund der Studiengebühren erhöhte Wanderungsbewegungen in gebührenfreie Bundesländer geben könnte. Allerdings gibt es auch keinen Beweis dafür, dass dies passiert sei. Eine Hauptkritik ist schließlich, dass genau wie in den HIS-Studien nicht der wirkliche Studienantritt, sondern nur die Studierneigung untersucht wurde. Es ist wenig plausibel, aber nicht unmöglich, dass sich die geäußerte Studierneigung nicht geändert hat, dann aber doch kein Studium aufgenommen wurde.

Die Studie kann hoffentlich helfen, in Bayern und Niedersachsen etwas mehr Verstand in die Debatte um die Studiengebühren zu bringen. Gleichzeitig kann vielleicht dauerhaft das Niveau der bildungswissenschaftlichen Forschung erhöht werden. Beides wären großartige Ziele, daher ist die Bedeutung dieser Studie nicht hoch genug einzuschätzen.

Freitag, 23. September 2011

Vereinsgründung "bildungsrepublik.de e.V." und Relaunch der Website im Herbst 2011


Sie befinden sich auf der Website des Vereins "bildungsrepublik.de e.V.", der im Sommer 2011 in Berlin gegründet wurde. Der Verein möchte zu einer umfassenden gesellschaftlichen Diskussion zu bildungspolitischen Themen in Deutschland beitragen. Gegenwärtig erarbeiten wir ein Konzept für die neue Website, die im Herbst 2011 online gehen soll.

Die neue Website wird aus mehreren Komponenten bestehen: Kern ist ein Weblog, der von einem Autorenteam betreut wird und sich mit unterschiedlichen Aspekten der "Bildungsrepublik" befasst - von Fragen frühkindlicher Bildung über Hochschulfragen bis zur Diskussion auf die Auswirkungen der digitalen Ära auf Formen des Lernens und Forschens. Darüber hinaus planen wir, auf unseren Seiten eine neue Diskussions-Technologie auszuprobieren und unterschiedliche Akteure, die sich für eine echte "Bildungsrepublik" einsetzen, miteinander zu vernetzen.

Der Verein ist aus unterschiedlichen Initiativen hervorgegangen. Zum einen besteht er aus den Initiatoren des bereits bestehenden Blogs bildungsrepublik.de, zum anderen aus einigen der Mit-Initiatoren des Offenen Briefs von Doktoranden an die Bundeskanzlerin in der Causa Guttenberg und weiteren Bildungsenthusiasten. Uns eint die Überzeugung, dass unser Land mehr braucht als bildungspolitische Sonntagsreden.
Wir wollen unseren Teil zu einer stärkeren gesellschaftliche Auseinandersetzung über Bildung im umfassenden Sinne beitragen und insbesondere die Perspektive der "digitalen Ureinwohner" einbringen.

Unsere Initiative ist nicht unpolitisch, aber parteipolitisch unabhängig. Wir möchten eine pluralistische Diskussion über bildungspolitische Fragen ermöglichen, die es vermeidet, in die ideologischen Muster überkommener bildungspolitischer Lager zu verfallen.

Mehr über den Verein und seine Ziele erfahren Sie in Kürze auf dieser Seite. In der Zwischenzeit finden Sie uns sowohl auf Facebook (https://www.facebook.com/bildungsrepublik.de) als auch über Twitter (@bildungsrep_de). Zusätzlich können Sie uns jederzeit über info -at- bildungsrepublik.de kontaktieren.

Nicht zuletzt freuen wir uns über Mitstreiterinnen und Mitstreiter - insbesondere Personen, die Lust haben, regelmäßig zu Bildungsfragen zu arbeiten und zu schreiben, und Programmierinnen und Programmierern, die uns bei der technischen Umsetzung unserer Vorhaben helfen. Gleiches gilt z.B. auch für Studierende in den Fächern Design o.ä. Wir freuen uns über alle Anregungen und Vorschläge!

Donnerstag, 19. Mai 2011

Deutsche Studienangebote im Ausland: Talentakquise oder teurer Nachhilfeunterricht für deutsche Hochschulen?

Zehn Jahre nach Beginn des BMBF-Förderprojekts „Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland“ lassen klare Zielsetzungen und Evaluationsmechanismen deutscher Hochschulen weiter auf sich warten. Der folgende Artikel liefert Deutungsversuche der hochschulpolitischen Motivation hinter dem Prestigeprojekt Offshore-Präsenz.

Die in den vergangenen zehn Jahren weltweit gewachsene Nachfrage für akademische Qualifikationen spiegelt sich in der steigenden Zahl internationaler Studierender wider: Allein zwischen 2000 und 2008 war ein Anstieg von über 50 Prozent auf nunmehr 3,3 Millionen internationale Studierende zu verzeichnen. Trotz stagnierender Zahlen behauptet Deutschland seinen Platz als viertgrößtes Gastgeberland für internationale Studierende (239.143 in 2009).

Neben der grenzüberschreitenden Mobilität von Studierenden spielen im Ausland angebotene Studienprogramme attraktiver Gastgeberländer eine immer größere Rolle. Speziell angelsächsische Hochschulen haben in den vergangenen Jahren gezielt profitable „Offshore“-Bildungsangebote für Marketing- und Rekrutierzwecke genutzt. Auch deutsche Hochschulen begeben sich zusehends auf unternehmerisches Neuland. Mit rund 10.000 eingeschriebenen Studierenden weltweit (2010) sind deutsche Studienangebote im Ausland allerdings deutlich überschaubarer als die groß angelegten Offshore-Angebote angelsächsischer Länder wie Australien (75.377 Studierende in 2009) und Großbritannien (212.195 in 2010). Dieser deutliche Größenunterschied läßt sich in erster Linie durch die in diesem Bereich ausgeprägtere Eigeninitiative angelsächsischer Hochschulen und deren unternehmerische Zielsetzungen erklären. Der Löwenanteil der deutschen Studienangebote im Ausland ist durch Fördergelder der Bundesministerien – allen voran das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – und deren Zielvorstellungen geprägt.

Das seit 2001 durch den DAAD administrierte BMBF-Programm zur Förderung von Studienangeboten deutscher Hochschulen im Ausland umfasst heute den Großteil der deutschen Offshore-Bildungsprogramme. Ende 2010 förderte das Programm 41 Hochschulprojekte in 23 Ländern und fünf Partnerregionen (siehe Grafik).

Anmerkung: Die Daten umfassen das BMBF-Programm "Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland". Weitere Förderprojekte des Auswärtigen Amts und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), wie zum Beispiel die Afrika-Initiative, sind nicht dargestellt.
Datenquelle: Deutscher Akademischer Austausch Dienst (DAAD).



Unklare Zielsetzungen der Hochschulen

Während Profitgenerierung und das Einwerben ausländischer Studierender für weiterführende Studien im Gastgeberland die Hauptzielsetzungen vieler angelsächsischer Auslandsprojekte darstellen, bietet sich bei deutschen Unternehmungen ein deutlich verschwommeneres Bild. Die finanzielle - und zum Teil organisatorische – Abhängigkeit von Bundesministerien und anderen Partnerorganisationen hat viele deutsche Hochschulen in erheblichem Maße aus der Verantwortung genommen eigene strategische Ziele zu formulieren, geschweige denn diese Ziele systematisch zu verfolgen.

Die strategischen Kernziele des bei weitem größten deutschen Förderprojekts, dem BMBF-Projekt „Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland“, können in drei Punkten zusammengefasst werden:
  • Bessere internationale Positionierung des Wissenschaftsstandorts Deutschland zur Förderung der Kooperation zwischen deutschen und ausländischen Akteuren in Forschung und Lehre
  • Nachhaltige Stärkung von Bildung und Forschung in Entwicklungsländern
  • Befähigung deutscher Hochschulen zu unternehmerischer Tätigkeit auf dem internationalen Bildungsmarkt
Wenngleich der dritte Punkt explizit auf eine Bringschuld deutscher Hochschulen abzielt, so lassen klare Absichtserklärungen und proaktive Evaluierung auf sich warten. Angesichts der primär auf Kostendeckung ausgelegten Studiengebühren deutscher Auslandsangebote von durchschnittlich 2.000 Euro kann nur in Ausnahmefällen auf die Erschließung neuer profitabler Geschäftszweige geschlossen werden. Auch das Rekrutieren von ausländischen Studierenden für weiterführende Studienaufenthalte in Deutschland ist angesichts der seit Jahren stagnierenden Zahl internationaler Studierender fraglich. Dem Anstieg von vom BMBF geförderten deutschen Studiengängen im Ausland von 76 (2005) auf 134 (2010) steht zuweilen ein Rückgang der Einschreibungszahlen von Bildungsausländern von 189.450 (2006) auf 180.222 (2009) entgegen.


Hauptzielgruppe: Nachwuchsforscher?

Die Qualitätssicherungsrhetorik des DAAD sowie die seit 2001 stetig steigenden Zahlen von Bildungsausländern im Promotionsstudium könnten als ein Indiz für eine auf das Anwerben von hochqualifizierten Graduierten und Doktoren ausgerichtete Rekrutierstrategie der Hochschulen angesehen werden. Wie in der untrigen Grafik veranschaulicht, verzeichneten Bildungsausländer im Promotionsstudium (gepunktete Linie) nicht nur das konstanteste Wachstum aller Bildungsausländer an deutschen Hochschulen, sondern auch entgegen dem Trend einen durchweg positiven Zuwachs von 9.490 (2001) auf 17.856 (2009) Promovierende. Des weiteren wird die These der Anwerbung von Forschungstalenten durch das Übergewicht von deutschen Master-Studiengängen im Ausland gestützt: Im Jahr 2008 führten 46 Prozent der deutschen Studiengänge im Ausland zu einen Master-Abschluss. Gleichzeitig strebten nur zwölf Prozent der innerhalb Deutschlands eingeschriebenen Bildungsausländer einen Master-Abschluss an.

Datenquelle: Hochschul-Informations-System GmbH (HIS).

So reizvoll die Annahme einer von Qualität und Talentakquise getriebenen Auslandsstrategie deutscher Hochschulen, so sehr sollte die obrige Analyse mit Vorsicht genossen werden. Angesichts der Abwesenheit von weitreichenden Verlaufsdaten, welche unmissverständlich auf das erfolgreiche Anwerben von Graduierten und Promovierenden (und deren Verbleibeabsichten) schließen lassen, bezeichnet das derzeitige Evaluationsvakuum eine passendere Abbildung deutscher Hochschulstrategie im Ausland.

Das zehnjährige Jubiläum des BMBF-Projekts lädt dazu ein, grundlegende Fragen über den Ist-Zustand des Engagements deutscher Hochschulen im Ausland zu stellen. Dienen diese Prestigeprojekte tatsächlich der erfolgreichen Anwerbung von Hochqualifizierten, oder handelt es sich hierbei um einen teuren Nachhilfeunterricht zu unternehmerischem Handeln für deutsche Hochschulen?

by Simon Morris-Lange

Freitag, 14. Januar 2011

Neuer Wein in neuen Schläuchen

Angesicht der rasanten technischen Entwicklung steht auch das Bildungssystem vor großen Herausforderungen. Eine gute Gelegenheit zu überdenken, wie und welches Wissen wir eigentlich vermitteln wollen. Moderne Technologien bergen hierbei ein Füllhorn an Möglichkeiten.

In seinem Beitrag “Alma Mater ist die Beste” stellt Sebastian Litta fest, dass Hochschulen in den USA jenseits der Wissensvermittlung eine umfassende Sozialisationsfunktion zukommt, die gegenwärtig von deutschen Hochschulen bestenfalls indirekt wahrgenommen wird. Es ist daher an der Zeit, der Veränderung unseres Wissensbegriffs und den technischen Möglichkeiten digitaler Technologie Rechnung zu tragen!

Unsere Hochschulen sind im Normalfall keine klassischen Campusuniversitäten, die ihre Studierenden in eng geknüpfte soziale Strukturen einbinden. Auch formale, studiengangsunabhängige Bildungsziele sind dem deutschen Universitätssystem unbekannt. Die Definition einer fachübergreifenden universitären Allgemeinbildung entlang der Prinzipien des Curriculum Reform Manifesto könnte hier Abhilfe schaffen.

Wie von Litta erwähnt, kommt Hochschulen neben der Lehr- und Sozialisierungsfunktion auch eine Zertifizierungsfunktion zu. Entsprechend der Theorien, die 2001 mit dem Ökonomie-Nobelpreis geehrt wurden, tragen standardisierte Qualifikationen so entscheidend zur Überwindung von Informationsasymmetrien am Arbeitsmarkt bei. Diese Zertifizierung erfolgt dabei auf Grundlage einer vierten essenziellen Funktion der Universität: der Prüfungsfunktion.
Alle vier Funktionen stehen angesichts der rapiden Digitalisierung unserer Gesellschaft vor umfassenden Veränderungen.

Die Digitalisierung wirkt sich auf alle Funktionsbereiche der Universität aus

Lernen in Zeiten des Leitmedienwechsels – von den Massenmedien Buch, Radio und Fernseher zum Hyperindividualmedium Internet – bedingt sowohl ein Neudenken der Teleologie des Bildungsprozesses als auch einen Paradigmenwechsel bei den Wissensvermittlungsprozessen.

Die Vorlesung als Standardform universitärer Lehre ist tot. Analog zu Lehrbüchern werden Lehrvideoformate (man denke an die legendären Feynman Lectures) die besten Vorlesungen global verfügbar machen. Die Steigerung der Qualität der durchschnittlichen Vorlesungen rechtfertigt dabei allemal den Verlust an unmittelbarer Interaktivität für einige wenige Fragensteller. Die durch das Wegfallen der Vorlesung frei werdenden zeitlichen Ressourcen können stattdessen in die Betreuung der Studierenden (Stichwort: Mentoring) oder Diskussionen in Kleingruppen investiert werden.

Die Bewertung des Lernfortschritts könnte in vielen Fächern mithilfe digitaler Formate – beispielsweise in Form anspruchsvoller serious games – sowohl im Hinblick auf ihre Aussagekraft als auch ihre Ressourceneffizienz neu gestaltet werden und es so ermöglichen, dem eigenen Anspruch hinsichtlich der Prüfungsfunktion besser gerecht zu werden.

Institutionell verifizierte Online-Identitäten und Wissensportfolios schaffen mehr Transparenz als normierte Noten und Credit Points und ermöglichen somit zukünftig eine differenziertere Form der Zertifizierung.

Soziale Netzwerke bieten gerade deutschen Universitäten eine Chance, durch die Verbindung von Studierenden und Lehrenden eine Art virtuellen Meta-Campus zu schaffen und so die Anonymität der Massenuniversität auch offline zu überwinden. Ein solches Netzwerk, das sowohl reale Beziehungen abbildet als auch online neue Verknüpfungen herstellt, fungiert dabei als Transmissionsriemen der Wissensgesellschaft und ermöglicht in bisher nicht gekanntem Maß die dezentrale, kursunabhängige und interdisziplinäre Verbreitung von Informationen, Meinungen und Werturteilen innerhalb der Universität und darüber hinaus.

Wer die Digitalisierung zur Gefahr stilisiert, romantisiert den Status quo

Ein Mehr an Digitalisierung kann somit im Ergebnis bessere Vorlesungen, intensivere Betreuung, aussagekräftigere Formen der Bewertung, einen höheren Grad an Leistungstransparenz und womöglich sogar ein integrierteres Sozialgefüge bedeuten. Kritiker, die befürchten, dass die Digitalisierung zu einer Distanzierung von Lehrenden und Lernenden führt, seien an dieser Stelle an die Aussage eines Studenten, die Eingang in einen Artikel des Chronicle of Higher Education fand, verwiesen: “If you want to encounter distance education … sit in the back of a 500-seat lecture.”

von Hannes Klöpper – erschienen am 12.01.2011 in The European